Alle Jahre wieder werden die Ergebnisse unterschiedlicher Vergleichsstudien zu den Schülerleistungen veröffentlicht. Aktuell sind die Ergebnisse von Pisa 2016 und Timms 2015 in aller Munde. Mit Spannung wurden die Ergebnisse angesichts der zunehmenden Heterogenität der Schülerschaft erwartet. Denn es bleibt weiterhin eine zentrale Aufgabe, alle Schülerinnen und Schüler mit angemessenen Fördermaßnahmen zu unterstützen und bestmöglich individuell zu fördern. Dies betrifft vor allem die leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler. Im Rahmen der Lehrerausbildung und der Lehrerfortbildung muss dem Aspekt der individuellen Förderung noch stärker Rechnung getragen werden.

PISA 2015 – Mädchen schneiden schlechter ab

Im Frühjahr 2015 nahmen über 10.000 Schülerinnen und Schülern in ganz Deutschland am PISA-Test teil, der auch Aufgaben aus dem Bereich Mathematik enthielt. Die Ergebnisse zeigen, dass Deutschland im oberen Drittel der OECD-Staaten liegt, der Anschluss an die Spitzengruppe aber nach wie vor nicht gelingt. Auffällig ist, dass in Deutschland die Diskrepanz der mathematischen Kompetenz zwischen Jungen und Mädchen am größten ist: Die mathematische Kompetenz von Jungen liegt im oberen Leistungsbereich, wohingegen sich im unteren Leistungsbereich mehr Mädchen befinden.

TIMMS 2015 – Bei Mathe ist noch Luft nach oben

TIMMS (Trends in International Mathematics and Science Study) erhebt Daten am Ende der vierten Klasse und erfasst ausschließlich die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Befragt werden auch die Eltern, Fachlehrkräfte und die Schulleitungen. 2015, und damit insgesamt das dritte Mal, nahmen in Deutschland insgesamt 4.000 Viertklässler an der Studie teil.

Die Ergebnisse lassen aufhorchen. Die deutschen Viertklässler erreichen im internationalen Vergleich das Mittelfeld; im Vergleich zu den anderen teilnehmenden EU-Staaten liegen sie aber unter dem Durchschnitt. Die meisten Grundschüler beherrschen am Ende der 4. Klasse die Grundrechenarten – mehr aber auch nicht. Der Wechsel zur weiterführenden Schule wird somit eine Herausforderung. 23,3%, also fast jeder vierte Schüler, erreicht kein ausreichendes Kompetenzniveau.

Eine (unerkannte) Dyskalkulie als Ursache

Bei 4-8% aller Schülerinnen und Schüler sind Schwierigkeiten mit Zahlen und dem Rechnen auf eine Dyskalkulie zurückzuführen. Unter diesen 23,3% unterdurchschnittlicher Schülern und Schülerinnen wird demnach mit großer Wahrscheinlichkeit das eine oder andere Kind mit einer – vielleicht auch unerkannten – Dyskalkulie (Rechenschwäche) sitzen. Diesen Kindern reicht der reguläre schulische Unterricht meist nicht, um die basalen mathematischen Fähigkeiten zu erwerben. Oft rechnen diese Kinder weit über die erste und zweite Klasse hinaus mit den Fingern, Mengen können nur unzureichend erfasst werden und Zahlen werden häufig verdreht. Zurückzuführen ist eine Dyskalkulie auf neuronale und genetische Veranlagungen sowie auf Schwächen im Wahrnehmungsbereich.

Diese Kinder benötigen eine spezielle Förderung, um eine Abwärtsspirale mit der Entwicklung einer Sekundärsymptomatik zu vermeiden. Besonders im Rahmen der Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung muss daher dem Aspekt der individuellen Förderung noch stärker Rechnung getragen werden.

In unserem Beitrag „Symptome einer Dyskalkulie“ erklären wir Ihnen, anhand welcher Symptome Sie Hinweise auf eine eventuell vorhandene Dyskalkulie erkennen können, im Beitrag „Ursachen einer Dyskalkulie“ erfahren Sie mehr zu dem multifaktoriellen Erklärungsansätzen.

Detaillierte Ergebnisse und eine Diskussion der Studien können Sie hier nachlesen:

TIMMS 2015: https://www.bmbf.de/de/grundschuelerinnen-und-grundschueler-in-deutschland-halten-leistungsniveau-in-mathematik-3648.html

PISA 2015: http://www.pisa.tum.de/pisa-2015/

Pro und Contra zu Pisa: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/pisa-studie-2016-ueber-sinn-und-unsinn-der-schuelertests-a-1122998.html

 

Es grüßt herzlich,

Ihre Jennifer Bubolz