Die qualitativer Fehleranalyse zur Gestaltung homogener Fördergruppen

Eine der häufigsten Fragen, die uns in unseren Seminaren begegnet, ist die nach der „richtigen“ Förderung bei LRS. Die Lehrerinnen und Lehrer möchten wissen, wie sie den Förderunterricht am besten gestalten und wie sie mit dem oftmals sehr unterschiedlichen Lernständen der Kinder umgehen können.

Vor dieser Herausforderung stehen wir zu Beginn einer LRS-Therapie ebenso. An dieser Stelle sind zwei Maßnahmen gefragt: die qualitative Fehleranalyse zu Beginn jeder Förderung und daran anschließend die Entwicklung eines individuellen Förderplanes.

In dem heutigen Beitrag stellen wir Ihnen zunächst die qualitative Fehleranalyse in Kürze vor. Im folgenden Beitrag wird es dann um die Entwicklung individueller Förderpläne gehen.

Stufen des Rechtschreiberwerbs

Wie Ihnen bekannt ist, erfolgt der Schriftspracherwerb in mehreren Stufen. Eine Stufe ist das lautgetreue  Schreiben, d.h. die Kinder verschriftlichen jeden Laut, den sie (häufig umgangssprachlich geprägt) hören. Die Kinder schreiben so „wie sie sprechen“ bzw. „wie sie hören“. Rechtschreibregeln und -strategien werden in dieser Phase noch nicht berücksichtigt.

Verstöße gegen das lautgetreue Schreiben werden als Phonemfehler bezeichnet. Es werden z. B. Buchstaben ausgelassen, vertauscht oder hinzugefügt oder aber die Laut-Buchstaben-Zuordnung gelingt nicht sicher. Am Ende der Schuleingangsphase sollten alle Kinder das lautgetreue Schreiben beherrschen.

Erst im weiteren Verlauf folgen dann Einsichten in die morphematische Struktur der Wörter (z. B.: Endungen wie -eln, -ig, -er), die Kinder erwerben sukzessive Rechtschreibregeln (z. B.: Groß- und Kleinschreibung) und Rechtschreibstrategien (z. B.: Verwandtschaftsprobe, Verlängerungsprobe).

Die qualitative Fehleranalyse als Grundlage homogener Fördergruppen

Für einen erfolgreichen Förderunterricht ist es notwendig, die Kinder dort abzuholen, wo sie stehen. Ziel einer qualitativen Fehleranalyse ist es daher, zu erkennen, was ein Kind bereits kann und systematisch zu erfassen, wo die Schwierigkeiten liegen. Ist das lautgetreue Schreiben gesichert? Kann sich ein Kind die korrekte Schreibweise mit Hilfe von Proben ableiten? …

Sowohl freie Texte als auch Rechtschreibtests können für eine qualitative Fehleranalyse genutzt werden. So erhalten Sie schnell einen genauen Überblick über die Fehlerschwerpunkte der einzelnen Kinder und können darauf aufbauend Fördergruppen zusammenstellen und den Förderunterricht gestalten.

Wenn deutlich wird, dass über die Schuleingangsphase hinaus das lautgetreue Schreiben noch nicht gesichert ist, so kann dies ein Hinweis auf eine vorliegende Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) sein. Kinder, die auch nach der zweiten Klasse das lautgetreue Schreiben noch nicht beherrschen, benötigen oftmals neben der schulischen Unterstützung eine außerschulische Förderung, da ihnen die Basiskompetenzen fehlen und Gefahr besteht, dass sie den Anschluss an das Leistungsniveau der Klasse verlieren.

Ich hoffe, Sie mit diesem Beitrag ermutigt zu haben, eine qualitative Fehleranalyse, bei den Kindern durchzuführen, bei denen Sie einen Förderbedarf sehen. So erhalten Sie Hinweise zur inhaltlichen Gestaltung der schulischen Fördermaßnahmen und wissen wann zusätzliche Maßnahmen einzuleiten sind.

Für heute verbleibe ich mit herzlichen Grüßen,

Ihre Jennifer Bubolz