In  unserer Reihe zum Thema Motivation haben wir uns im Teil 1 die Grundlagen motivierten Handelns angeschaut – deutlich wurde:  Ohne Autonomie, Kompetenzerleben und soziale Zugehörigkeit keine Motivation. Im Teil 2 haben wir uns den Bereich der sozialen Zugehörigkeit herausgegriffen und genauer hingeschaut, wie Motivation durch beziehungsfördernde Maßnahmen gesteigert werden kann.

Bevor wir jedoch das Autonomie- und Kompetenzerleben als Motivationsstifter unter die Lupe nehmen, wagen wir heute einen Exkurs in die Glücksforschung.

Es gibt so viele Themen, die mehr oder weniger missionarisch an Schulen – und damit letztendlich an Sie – herangetragen werden: Gewaltprävention, Mediennutzung, Integration oder Digitalisierung sind hier nur Beispiele.

Immer geht es dabei um eine Optimierung des gegenwärtigen Zustandes – und meistens wird dabei erwartet, dass Sie als Lehrkraft tätig werden.

Die Lehrer sollen es richten …

Die Hattie-Studie hat stichfest gezeigt, dass Leistungsunterschiede sehr viel weniger mit der jeweiligen Schulform, der Klassengröße, den Unterrichtsmethoden oder finanziellen Rahmenbedingungen zu tun haben als hinlänglich angenommen wird. Die Lehrerpersönlichkeit und die Unterrichtsform sind die entscheidenden Größen, wenn es um erfolgreichen Unterricht geht. Mit diesem Ergebnis wird den Lehrerinnen und Lehrern eine herausragende Verantwortung für das Wohl und Wehe ihrer SchülerInnen mit auf den ohnehin manchmal schon recht steinigen Weg gegeben.

Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten  Studien-Ergebnisse finden Sie u.a. hier:

https://visible-learning.org/de/2013/07/andreas-helmke-hatties-motto-lehrerzentrierter-aber-schulerorientierter-schuleraktivierender-unterricht/

Umso befreiender sind dann die Erkenntnisse des amerikanischen Wissenschaftlers Shawn Achor:

„Erfolg kommt durch Glücklichsein – und nicht glücklich sein durch Erfolg.“ (nach Shawn Achor)

Warum also glücklich sein …

Die Forschungen des Wissenschaftszweigs der Positiven Psychologie haben in den letzten Jahre eines deutlich gezeigt: Mit schlechten Gefühlen funktionieren wir wie im Autopiloten, der Blick nach rechts und links, neue Lösungsideen, kreative Herangehensweisen, offener Austausch – all das wird ausgeschaltet, um die negative Situation erst einmal durchzustehen.

Hingegen haben positive Gefühle genau den gegenteiligen Effekt: Wir nehmen mehr und neue Dinge und Lösungen wahr, sind offen für neue Eindrücke, sind zuversichtlich, leistungsfähig, aufgeschlossen, und unser Körper stellt in den Regenerationsmodus um.

Alles Eigenschaften, die benötigt werden, wenn es darum geht, eine Klasse strukturiert, motiviert und mit wohlwollender Autorität zu führen.

Schön und gut. Das wussten wir auch vorher, dass uns die Arbeit leichter fällt, wenn wir selbst zufrieden sind! Aber die positive Psychologie hat auch erforscht, was uns helfen kann, uns öfter und dauerhafter in diesen positiven Zustand zu versetzen.

So einfach kann Glück gehen

Es gibt eine Reihe von Einflussgrößen, die dazu beitragen, dass Menschen sich als glücklich erleben. Wichtig sind u.a. nahe und stabile Beziehungen, Sinnerleben, Ausgewogenheit zwischen Arbeitszeiten und Entspannungszeiten.  Ganz konkret kann das beeinflusst werden durch z.B. ausreichend Bewegung, dem Erleben von Dankbarkeit, zum Wohl anderer Menschen beizutragen.

„Jeder ist seines Glückes Schmied.“ (Volksmund)

Einen simplen, aber sehr wirksamen Ansatz greifen wir heute auf: Dankbarkeit.

Shawn Achor ist nicht der Erste, der empfiehlt, über einen längeren Zeitraum (mindestens jedoch 21 Tage) jeden Tag drei Geschehnisse zu notieren, für die wir besonders dankbar sind oder auch auf die wir stolz sind. Dabei sollte es nicht jeden Tag die Freude darüber sein, nicht nass geworden zu sein ;-) Drei Wochen lang jeden Tag drei unterschiedliche Sachen notieren, so lautet die Regel für diese simple kleine Hilfestellung zum Glück. In einem Modellversuch der Braunschweiger Universität wird derzeit ein „Glückstraining für Lehrkräfte“ erprobt (siehe http://www.news4teachers.de/2017/03/spezielles-glueckstraining-fuer-lehrer-soll-den-unterricht-besser-machen/). Auch hier wird mit dieser Methode gearbeitet.

Wissenschaftlich erklärt wird die positive Wirkung dadurch, dass das Gehirn durch diese Übung lernt, sich häufiger auf positive Geschehnisse zu fokussieren und nicht länger nur die schwierigen und niederdrückenden Erlebnisse wahrzunehmen.

Mit Sicherheit wird diese kleine Methode nicht alle großen und kleinen Schwierigkeiten Ihres Schulalltages wegradieren, nach wie vor bestehen strukturelle Probleme, der Kollege wird krank, die Schüler machen Radau und sind dann doch nicht so hochmotiviert wie sie doch sein sollten, die Integration läuft nach wie vor im Schneckentempo und dann kommt auch noch der nächste Elternabend – wenn Sie aber trotz all dem mit dem Wissen um drei gut gelaufene Dinge schlafen gehen, dann ist der Tag schon etwas glücklicher.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viele glückliche Frühlingstage,

Ihr Team der I.D.L.- Akademie