Symptome einer Rechenschwäche (Dyskalkulie)

Das Themenfeld LRS/Legasthenie ist mittlerweile weitestgehend in den deutschen Lehrerzimmern angekommen. Mit dem LRS-Erlass gibt es sogar gesetzliche Vorgaben, wie die Nachteile für die lese- und rechtschreibschwachen Kinder ausgeglichen werden können.

Ganz anders sieht es hingehen aus, wenn die Frage einer Dyskalkulie, oder auch Rechenschwäche genannt, im Raum steht. Dem möchten wir mit dieser Reihe etwas Abhilfe schaffen und veröffentlichen an dieser Stelle in loser Reihe Beiträge zum Themenfeld „Dyskalkulie“.

In diesem zweiten Beitrag schauen wir uns genauer an, welche Symptome einen Hinweis darauf geben können, dass ein Schüler/eine Schülerin unter eine Dyskalkulie leidet.

Welche Symptome auf eine Dyskalkulie hindeuten

Ähnlich wie bei einer Legasthenie kann eine Reihe von Vorläufermerkmalen und Symptomen schon frühzeitig auf eine Rechenschwäche oder Dyskalkulie eines Kindes hindeuten. Dabei müssen nicht alle Symptome gleichzeitig oder in gleicher Gewichtung auftreten. Eine Dyskalkulie ist so individuell wie jedes betroffene Kind selbst. Hier eine Auswahl an möglichen Anzeichen, zusammengestellt von Frau Dr. Ise, die an der Uniklinik Köln seit Jahren zu dem Thema Dyskalkulie forscht und arbeitet:

Bei folgenden Auffälligkeiten sollten LehrerInnen und Eltern eine spezifische Diagnostik in Betracht ziehen:

  • Die Rechenprobleme bestehen seit Beginn der ersten Klasse und bleiben trotz regelmäßigem Üben oder gezielter Förderung bestehen.
  • Das Kind zeigt große Schwierigkeiten in den Grundrechenarten (Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division) und beherrscht das kleine Einspluseins und Einmaleins nicht sicher. Wenn Rechenprobleme erst dann auftreten, wenn in der Schule Algebra, Trigonometrie, Geometrie oder Differential- und Integralrechnung auf dem Lehrplan stehen, liegt in der Regel keine Rechenstörung vor.
  • Das Kind vermeidet Aktivitäten, die mit Zählen und Zahlen zu tun haben (z.B.: Brett- und Würfelspiele, Einkaufen und Bezahlen, Uhrzeit ablesen)
  • Das Kind scheint „kein Gefühl“ für Mengen oder Zahlen zu haben und macht beim Rechnen Fehler, die auf den ersten Blick überhaupt nicht nachvollziehbar erscheinen.
  • Das Kind macht Fehler beim Aufschreiben von Zahlen und zeigt Schwierigkeiten im Verständnis des Dezimalsystems (z.B.: „dreiundzwanzig“ wird als 32 geschrieben, „hundertacht“ wird als 1008 geschrieben).
  • Das Kind braucht für scheinbar einfache Rechenaufgabe viel Zeit, da es die Aufgaben in komplizierte Teilschritte zerlegt oder Abzählstrategien (unter Zuhilfenahme der Finger) einsetzt, anstatt das Ergebnis aus dem Gedächtnis abzurufen.

Das ganze Interview mit Frau Dr. Ise können Sie unter folgendem Link nachlesen: https://idlweb.de/interview-zu-allen-fragen-rund-um-dyskalkulie-und-rechenstoerungen/

Ausblick

Auf unserer Seite www.idlweb.de haben wir in unserem Blog bereits einen Beitrag zu den Ursachen einer Dyskalkulie veröffentlicht. In dieser Reihe folgen Beiträge zu dem wichtigen, oft vernachlässigten Punkt der Sekundärsymptomatik von Lernstörungen und zu Förderansätzen in der Schule.

Wenn Sie sich in Ihrer Schule tiefergehend mit dem Thema Dyskalkulie und Rechenschwäche auseinandersetzen möchten, bietet sich zum Einstieg unser regelmäßig stattfindendes Seminar „Basiswissen Dyskalkulie“ an. Module zur Diagnostik und Förderung können aufbauend gebucht werden.

Empfehlenswert ist auch eine Handreichung des österreichischen Bildungsministeriums, die gut für Deutschland übertragbar ist. Die Broschüre ist im Internet frei zugänglich und empfiehlt sich sehr, wenn Sie sich mit dem Themenfeld Dyskalkulie vertiefend auseinandersetzen wollen: http://www.schulpsychologie.at/fileadmin/upload/lernen_leistung/Dyskalkulie/rechenschwaeche.PDF

Für heute hoffe ich, Ihnen einen weiteren Einblick in dieses komplexe Themenfeld gegeben zu haben und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Ihre Jennifer Bubolz