In diesem zweiten Beitrag in unserer Reihe zum Thema Motivation schauen wir uns eine Grundlage genauer  an, wie Motivation in der Schule gelingen kann – Beziehung als Motivationsstifter.

Die stärkste Droge für den Menschen ist der Mensch.“  (Martin Schweiger, Seminarschuldirektor)

Die Theorie der Spiegelneuronen, die vor einigen Jahren durch Prof. Dr. Bauer einiges an Aufsehen erregte, kann uns in diesem Fall gute Hinweise liefern.

In grober Kürze besagt sie, dass Menschen fortwährend (unbewusst) wahrnehmen, was das Gegenüber fühlt und wie es einem selbst gegenüber eingestellt ist.

Aber nicht nur das:

Die Beobachtung einer Handlung lässt im Gehirn des Beobachters genau jene Neuronen feuern, die auch feuern würden, wenn er diese Handlung selbst ausführen würde. Außerdem werden auch jene Neuronen aktiv, die zuständig sind für das die Handlung begleitende Körperempfinden. Diese Nervenzellnetze nennt man Spiegelneuronen.“ (Martin Schweiger)

Auch wenn die Theorie der Spiegelneuronen in Wissenschaftskreisen kontrovers diskutiert wird, zeigt sie eindrücklich auf, wie elementar wir Menschen miteinander verbunden sind.

Aber was haben Spiegelneuronen nun mit Motivation zu tun?

Spannend werden diese Erkenntnisse, wenn wir uns in Erinnerung rufen, welche Faktoren besonders stark auf die Motivation einwirken. Das Gefühl der sozialen Zugehörigkeit ist neben den Möglichkeiten die eigene Kompetenz einzubringen und autonom handeln zu können, eine der entscheidenden Einflussgrößen.

Joachim Bauer geht sogar so weit zu sagen, dass das Grundbedürfnis nach  psychischer Sicherheit und das Zugehörigkeitsgefühl einen gleichen Stellenwert einnehmen wie das Grundbedürfnis nach materieller Sicherheit. Nur wer positive Bindung erlebe und sich eingebunden fühle, könne sich überhaupt den Anforderungen des Lebens stellen – an erster Stelle stehe die Befriedigung dieser beiden Grundbedürfnisse.

Gute Beziehungen und eine stabile Bindung gelten in der Motivationsforschung als Grundvoraussetzungen für motiviertes Handeln, unabhängig davon, ob es sich um extrinsische (von außen motivierte) oder intrinsische (aus einem selbst heraus motivierte) Handlungsimpulse handelt.

Ohne diese gute Beziehung fruchtet auch die beste motivierend gestaltete Didaktik wenig.

Es gibt letztlich keine Motivation ohne Beziehung. Die intrinsische Motivation kommt aus Beziehungen zu Menschen.“ (Prof. Dr. Joachim Bauer)

Und was können wir daraus für gelingenden Unterricht ableiten?

Ausgehend von der Erkenntnis, dass Bindung und Beziehung für motiviertes Handeln unabdingbar sind, schauen wir uns im Folgenden an, welche Erkenntnisse sich hieraus für eine motivierende Unterrichtsgestaltung ableiten lassen. Martin Schweiger hat in seiner Rolle als Seminarschuldirektor in Baden-Württemberg hilfreiche und konkrete Maßnahmen entwickelt. Drei davon stelle ich Ihnen hier in Kürze vor:

Sieh mich! – Die motivierende Wirkung des Wahrgenommenwerdens

Nichtbeachtung gilt als Höchststrafe und zählt zu den Motivationskillern Nr 1. Positiver Blickkontakt hingegen hat die Kraft, die Motivationssysteme optimal zu aktivieren.

Nach dem bekannten Sprichwort „Ein Blick sagt mehr als tausend Worte“ ist Ihnen hiermit ein simpler, aber höchst wirksamer Mechanismus an die Hand gegeben. Schüler und Schülerinnen sind (noch) stark von den Rückmeldungen durch Erwachsene angewiesen: sie suchen Rückmeldung und konstruktive Orientierung.

Es geht hier nicht um große Gesten: Oft reicht schon ein anerkennendes Nicken, ein freundlicher Blick oder eine kleine positive Rückmeldung um sie „am Ball zu behalten“. Probieren sie es aus!

 Interessen teilen – Aufmerksamkeit schenkt Wertschätzung

Anteilnahme und Interesse sind wertvolle beziehungsstiftende Faktoren. Wichtig dabei ist, dass die geteilten Interessen nicht auf einer Einbahnstraße beruhen und die Themen allein von der Lehrkraft vorgegeben werden. Es geht nicht darum, den Unterrichtsstoff den Interessen der Schüler und Schülerinnen unterzuordnen, jedoch darum, ihnen zu vermitteln, dass sie als Personen zählen. Am Montag nach dem Erlebnissen am Wochenende zu fragen ist eine einfache Variante; ebenso wie Handyspiele nicht nur grundsätzlich zu verurteilen, sondern sich einmal erklären zu lassen, was genau das Ziel der Spiels ist und warum es so unglaublich motiviert; wichtig ist dabei, auch die Zeit und die Aufmerksamkeit mitzubringen ,den Erzählungen zu folgen. Zuhören als reine Methode wird schnell durchschaut: die Kinder spüren schnell, ob es Ihnen ernst ist mit dem Interesse und werden es in beide Richtungen honorieren- mit einer besseren Beziehung und aufmerksamer Unterrichtsbeteiligung oder einer mehr oder minder ausgeprägten Blockadehaltung.

Gemeinsam etwas machen verbindet

Gemeinsame Klassenausflüge, ein gemeinsames Spiel am Unterrichtsschluss oder das Ausrichten eines gemeinsames Weihnachtsfestes – was nach Luxus klingt, ist für den Aufbau und Erhalt einer guten Beziehungsbasis gut investierte Zeit! Auf lange Sicht macht es sehr viel mehr Sinn, sich und seiner Klasse diese Zeiten fest einzuräumen. Ihre Schüler und Schülerinnen werden es Ihnen durch motivierte und vertrauensvolle Mitarbeit doppelt danken.

Wir wünschen viel Spaß beim Ausprobieren dieser simplen und doch sehr wirkungsvollen Vorgehen.

Für heute grüßt herzlich

Ihre Jenny Bubolz

 

Quellen:

Martin Schweiger. „Dem Geheimnis des guten Lehrers auf der Spur – neurobiologische Erkenntnisse für den Schulalltag.“ unter: https://schulen.drs.de/fileadmin/HAIX/sda/sda-ghrs-spaichingen/Schweiger_-_So__wie_Gott_uns_schuf_2.pdf