Und jetzt auch noch Motivation?

Welche Lehrkraft kennt das nicht? Schülerinnen und Schüler, die in den Pausen mit Feuereifer ihre WhatsApp-Nachrichten oder das neuste Youtube-Video checken, wenn es aber darum geht, im Unterricht konzentriert einen Stoff anzugehen oder gar zu wiederholen, stößt man auf ausdruckslose, müde Gesichter.

Was hat das nun mit Motivation zu tun? Der Begriff Motivation geht auf das lateinische Wort movere (bewegen, antreiben) zurück und meint den inneren Antrieb, etwas zu tun. Das Tun ist dabei auf ein selbst gestecktes Ziel gerichtet. Damit die Motivation nicht nachlässt, sind zwei Faktoren von Bedeutung: Zum einen muss die Überzeugung vorhanden sein, das man das Ziel auch aus eigener Anstrengung erreichen kann. Zum anderen muss einem das angestrebte Ziel auch wichtig sein bzw. einen persönlichen Nutzen haben. Angenommen, Sie haben sich das Ziel gesetzt, mehr Ruhe in der Klasse zu bekommen, dann sollten Sie a) auch davon überzeugt sein, dieses Ziel tatsächlich erreichen zu können und b) beispielsweise die Notwendigkeit sehen, dass eine ruhigere Atmosphäre für Sie und ihre Schüler weniger Stress bedeutet. Wenn beides zutrifft, dann fehlen Ihnen nur noch ein paar geeignete Methoden und Sie können sich hochmotiviert an die Zielerreichung begeben. 🙂

Zurück zu unseren Schülerinnen und Schülern, deren ausgiebige Handynutzung sich durch das oben Gesagte leicht erklären lässt: In Kontakt mit anderen zu stehen und nichts zu verpassen hat für die Jugendlichen einen großen Wert und dieses Ziel ist durch einen Messenger wie WhatsApp auch leicht zu erreichen – Motivation ist hier also automatisch am Werk.

Im Unterricht klappt das leider oft nicht so ohne Weiteres. Möglich ist es allemal!

Der noch verhältnismäßig junge Wissenschaftszweig der Positiven Psychologie hat hier wertvolle Erkenntnisse gewonnen; u.a. forscht Frau Prof. Dr. Michaela Brohm von der Universität Trier, seit Jahren an diesem Thema und hat die Ergebnisse insbesondere für Schulen gut verständlich und praxisnah aufbereitet.

Warum es sich lohnt, das Thema Motivation auf die eigene Agenda zu nehmen

Ganz sicher kommen Sie in Ihrem Berufsalltag mit Ihrer heterogen zusammengesetzten Klasse, den derzeit großen Themen Inklusion, Integration und Digitalisierung und dem zunehmend steigenden Papierkram oft an Ihre Grenzen. Sich in der Situation noch ein zusätzliches Thema wie Motivation auf die Fahnen zu schreiben, erscheint zunächst wenig umsetzbar. Doch gerade bei diesem Thema lohnt es sich, ein wenig Zeit zu investieren. Mit einigen einfachen Übungen und einem Blick auf die eigene innere Haltung kann schon viel passieren, um den stressigen Berufsalltag gelassener und eben motivierter zu gestalten und auch den eigenen Schülerinnen und Schülern eine positivere Arbeitshaltung abzugewinnen.

„Es kann niemand belehrt werden, der nicht lernen will.“ (Michaela Brohm: Motiviert bleiben. Positive Psychologie für die Grundschule, Beltz 2014)

Ohne Motivation ist Lernen nahezu unmöglich. Das gilt für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte gleichermaßen. Über- oder Unterforderung, Sorgen oder Unsicherheiten sind Zustände, in denen das menschliche Gehirn für neuen Lernstoff nicht gewappnet ist, so die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Eine aktuelle Studie zum Einfluss von Angst und Stress auf die Lernleistung wurde unlängst an der Bochumer Universität durchgeführt: http://www.news4teachers.de/2017/01/wieviel-druck-braucht-die-schule-wahrnehmen-und-erinnern-wird-unter-stress-behindert/

Wir stellen Ihnen in dieser Reihe einige Ideen vor, wie Sie die Erkenntnisse der Motivationsforschung für Ihren Unterricht gewinnbringend einsetzen können.
Wenn Sie sich mit dem Thema ausführlicher auseinandersetzen wollen, lohnt sich auf jeden Fall die Anschaffung der unten benannten Hefte von Frau Prof. Brohm. Hier finden sich auch viele Praxistipps und Aufgaben.

Die Positive Psychologie und ihre Erkenntnisse

Mittlerweile weiß man, dass sich Motivation auf drei Grundpfeilern aufbaut: Kompetenzerleben, die Wahrung der eigene Autonomie und ein Gefühl der sozialen Zugehörigkeit (Brohm, 2012). Sind diese drei Voraussetzungen gegeben, sind Menschen hochmotiviert, lebendig und konzentriert bei der Sache. Die folgenden Tipps lassen sich immer wieder auf diese drei Faktoren zurückführen. Es lohnt sich also, diese im Hinterkopf zu behalten.

Herausforderungen motivieren

Weiter oben haben wir bereits dargestellt, wie wichtig es ist, dem gesetzten Ziel einen subjektiven Wert oder Nutzen beizumessen und es gleichzeitig als erreichbar einzuschätzen. Daraus resultiert, dass sich eine als gering erlebte Herausforderung negativ auf die Motivation auswirkt und zu Langeweile, Frust und Unterforderung führt. Eine zu hohe Herausforderung löst im Gegenzug Stress und Überforderung aus und ist somit dem motivierten Handeln auch nicht gerade dienlich. Was also tun? Der effizienteste Lernzustand wird dann erreicht, wenn Herausforderungen den eigenen Fähigkeiten entsprechen, besser sogar an der Grenze zum Machbaren sind. Es konnte gezeigt werden, dass der dadurch erreichte Zustand (in der Lernpsychologie auch als Arousal bezeichnet) das Reaktionsvermögen und die Konzentration schärft und in der Folge zu nachweisbar besseren Lern- und Leistungsergebnissen führt (nach Brohm, 2012).

Da in einer Klasse selten alle Schülerinnen und Schüler auf ein und demselben Leistungsniveau arbeiten, müssen Lehrkräfte Ideen entwickeln, wie sie ihre Schülerinnen und Schüler weder unterfordern noch überfordern. Nur so ist gewährleistet, dass alle den Unterricht gleichermaßen motivierend erleben. Binnendifferenzierung heißt das Zauberwort, das in unzähligen didaktischen Abhandlungen thematisiert wird und für das es zahlreiche didaktische, methodische und organisatorische Vorschläge gibt.

Für heute haben Sie bereits erfahren:

Es lohnt sich, dem Thema Motivation etwas Zeit zu widmen, da Lernen ohne Motivation selten zu nachhaltigen Erfolgen führt.
Motivation basiert dabei auf der Einschätzung, dass ein Ziel erreichbar ist und als lohnenswert empfunden wird. Wenn etwas so gerade eben als erreichbar erlebt wird, kann das zusätzlich motivierende Energien auslösen (Arousal-Effekt).
Die Positive Psychologie hat gezeigt: Um Schülerinnen und Schüler zu motivieren, sollte sichergestellt werden, dass sie ihre Kompetenz einbringen können, dabei Möglichkeiten zur autonomen Entfaltung haben und sich in ihrer Gruppe/Klasse als zugehörig erleben.

Es grüßt herzlich,

Ihre Jennifer Bubolz

 

Zum Weiterlesen:

* Brohm, Michaela (2012). Motivation lernen. Das Trainingsprogramm für die Schule. Beltz.
Brohm, Michaela (2014). Motiviert bleiben. Positive Psychologie für die Grundschule. Beltz.

 

 

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  1. […] unserer Reihe zum Thema Motivation haben wir uns im Teil 1 die Grundlagen motivierten Handelns angeschaut – deutlich wurde:  Ohne Autonomie, […]

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