Über Grundlegendes zum LRS-Erlass in NRW und zu Fragen der Umsetzung des Erlasses haben wir in vorhergehenden Beiträgen bereits berichtet.

Heute geht es um die oftmals noch unbekannte Anwendung des LRS-Erlasses im Englischunterricht bzw. in den Fremdsprachen.

Regelungen zu den Fremdsprachen im LRS-Erlass NRW

Im LRS-Erlass NRW heißt es dazu unter Punkt 1.1:

„[…] In den Schulen der Sekundarstufe I sollen die grundlegenden Fähigkeiten, Texte zu lesen und lesend zu verstehen, sowie die Rechtschreibsicherheit kontinuierlich weiterentwickelt werden. Diese Fähigkeiten müssen auch in den Fremdsprachen systematisch aufgebaut werden.“

Weiter unter Punkt 4.1:

„Bei einer schriftlichen Arbeit oder Übung zur Bewertung der Rechtschreibleistung im Fach Deutsch und in den Fremdsprachen kann die Lehrerin oder der Lehrer im Einzelfall eine andere Aufgabe stellen, mehr Zeit einräumen oder von der Benotung absehen […]. In den Fremdsprachen können Vokabelkenntnisse durch mündliche Leistungsnachweise erbracht werden. […] Die Rechtschreibleistungen werden nicht in die Beurteilung der schriftlichen Arbeiten und Übungen im Fach Deutsch oder in einem anderen Fach mit einbezogen.“

Diese Möglichkeiten eines Nachteilsausgleichs sind sinnvoll, wenn man bedenkt, dass sich die Schwierigkeiten der Kinder beim Lesen und Schreiben nicht dadurch beheben lassen, dass man noch einmal von Null anfängt, wenn man eine Fremdsprache lernt. Gerade Kinder mit Schwierigkeiten in der auditiven und visuellen Wahrnehmung tun sich beim Erwerb einer nicht lautgetreuen Fremdsprache – und dazu zählen beispielsweise das Englische oder Französische – besonders schwer. Ein Nachteilsausgleich, der dafür Sorge trägt, dass ihre Schwächen keine weitere Negativspirale nach sich ziehen, sondern vielmehr ausgeglichen werden, macht daher in diesen Fällen großen Sinn.

Umsetzung des LRS-Erlasses im Fach Englisch

Wie kann ein solcher Nachteilsausgleich nun aber konkret umgesetzt werden? Wie können z.B. Rechtschreibfehler im Englischen von Grammatikfehlern unterschieden werden?
Frau Ursula Dorsch gibt in der Broschüre des Bundesverbandes für Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) „Englisch – Ratgeber zum Fremdsprachenerwerb am Beispiel Englisch“ hilfreiche Tipps zu diesen Fragen.

Rechtschreibfehler von Grammatikfehlern unterscheiden

Bei einigen Fehlertypen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um Rechtschreibfehler und nicht um Grammatikfehler handelt. Das betrifft die Fehlerschwerpunkte, die LRS-Kinder auch im Fach Deutsch machen:

  • Die Kinder wenden die deutsche Buchstaben-Laut-Zuordnung an (z.B.: tschaild statt child).
  • Sie lassen Buchstaben aus oder fügen welche hinzu.
  • Buchstaben werden ersetzt oder in veränderter Reihung geschrieben.
  • Die Kinder haben Schwierigkeiten bei der Schreibung von gleichlautenden Wörtern (z.B.: to, two oder too).

In anderen Fällen ist die Zuordnung weniger eindeutig. In Klassenarbeiten hat es sich daher bewährt, nur im Grammtikteil auch die Rechtschreibung zu bewerten. Auch Kinder mit einer LRS sollten in der Lage sein, grammatikalische Regelungen zu lernen und richtig anzuwenden. Zum Beispiel bei der Anwendung des simple present das Endungs-s korrekt in der 3. Person Singular (he, she, it) zu verwenden.

Bei frei formulierten Texten fällt es den Kindern jedoch oft schwer, alle Besonderheiten in der Rechtschreibung zu beachten. Hier könnte z.B. das Weglassen des „s“ in der Personalform nur bedingt gewertet werden.
Für die Motivation der Kinder ist es hilfreich, Grammatik- und Rechtschreibfehler in unterschiedlichen Farben zu kennzeichnen. So kann das Kind selbst leichter unterscheiden, was genau es falsch gemacht hat.

Visuelle und auditive Schwierigkeiten ausgleichen helfen

Neben der Unterscheidung von Grammatik- und Rechtschreibfehlern können einige weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Kinder umgesetzt werden.
Hierzu zählen u.a.:

  • Legen Sie die Arbeitsblätter in einer ausreichend großen Schrift an, sodass auch Kinder mit visuellen Wahrnehmungsschwierigkeiten diese gut lesen können. Eine Schriftgröße von 14 Punkt mit einem Zeilenabstand von 1,5 hat sich hier bewährt.
  • Hörverständnisaufgaben stellen für Kinder mit auditiven Wahrnehmungsschwierigkeiten eine große Herausforderung dar. Hilfreich ist es, wenn die Kinder die Texte hören können, bevor die ganze Klasse hinzukommt und sie zusätzliche Zeit zur Bearbeitung der Aufgaben erhalten. Oftmals ist es einfacher, einem vorgelesenen Text durch die Lehrkraft zu folgen als der Tonaufnahme eines Native speakers.
  • Vokabeln sollten mündlich abgefragt werden (s. auch LRS-Erlass Punkt 4.1).

Weitere Maßnahmen sind denkbar. Jedes Kind bringt eigene Stärken und Schwächen mit. Es ist daher ratsam, zusammen mit dem Kind, den Eltern und ggf. der Förderkraft gemeinsam zu entscheiden, welche Maßnahmen umgesetzt werden und dem Kind am besten dienen.
Weitere Informationen finden Sie auch in dem oben benannten Heft. Im Anhang enthält die Broschüre eine ausführliche Literaturliste.
Ich hoffe, dieser Beitrag konnte Ihnen erste Ideen mit auf den Weg geben, wie der LRS-Erlass im Sinne der LRS-Kinder auch im Fach Englisch angewandt werden kann.

Für heute verbleibe ich mit herzlichen Grüßen

Ihre Jennifer Bubolz

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